Düngeverordnung , Thema im Bayerischen Rundfunk in „Unser Land“ :

Heute war der Bayerische Rundfunk bei uns. Aufregend. Nur leider mit dem Thema Düngeverordnung! Ich saß mit meiner Familie am Frühstückstisch, als ein Kleinbus mit der BR Aufschrift neben unserem Hof an der Kapelle parkte. Sämtliche Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks stiegen aus. Sie fingen an, ihre Arbeitsutensilien, Mikrofon, Videokamera etc. auszupacken. Sie filmten hinter unserer Hof- Kapelle direkt in die Richtung unserer Äcker. Ohne uns Bescheid gegeben zu haben! Kurzentschlossen ging ich mit den Kindern nach dem Frühstück zu Ihnen.  Damit ich erfahre, was sie dort tun. Richtig, sie drehten die Sendung für „Unser Land“, das immer am Freitagabend um 19 Uhr ausgestrahlt wird. Außer heute, wie sich später herausstellen sollte. Heute war „Corona Virus Extra“ das gewichtigere Thema.

Düngeverordnung – eine Sendung  auf unserem Betrieb?

Aber es stimmte, sie drehten über die Düngeverordnung, wie sie mir mitteilten. Ich hörte den letzten Satz, den sie in die Kamera sprachen. Es war die Zusammenfassung zur allgemeinen Düngungs-Praxis in der Landwirtschaft.  Auf unseren Betrieb solch eine Sendung zu drehen? Noch dazu sind wir kein Vieh- intensiver Betrieb. Im Gegenteil. Deswegen wurde ich erstmals emotional. Ich konnte mich wieder beruhigen, weil sie das Thema sachlich und richtig darstellten, zumindest in diesem letzten Satz, den ich noch zu hören bekam.

Düngeverordnung und Demonstrationen:

Wir sprachen über die Düngeverordnung und darüber, dass sich auch Landwirte über die zur Zeit zahlreichen Demonstrationen aufregen. Geführt werden die Demos von der Gruppe Land-Schafft-Verbindung.  Aber auch der Bayerische Bauernverband und andere Verbände mit dem Thema Düngeverordnung, Messstellen und Nitrat im Grundwasser beschäftigen und sich zu Recht über die neue Verordnung. BBV (Bayerischer Bauernverband) und Politiker ermöglichten  eine Versammlung  in unserem Landkreis   mit dem Behördenleiter des Wasserwirtschaftsamtes und mit Landwirten vor Ort zu veranstalten.  Fast unser ganzer Landkreis ist rotes Gebiet. Es gibt aber nur wenige Messstellen. Leider kommen sich die Landwirte sehr übergangen vor. Landwirte fragen sich, ob alles noch mit rechten Dingen zugeht. Gerade auch die Messstellen, an denen die Nitrat-Werte im Grundwasser gemessen werden, sind fraglich. Eine repräsentative Stichprobe ist dann statistisch aussagekräftig, wenn viele Stichproben gemacht wurden. Je mehr Stichproben , desto aussagekräftiger ist das zu erwartende Ergebnis.  So habe ich das auch in meinem wissenschaftlich ausgerichteten Studium im Fach Statistik gelernt. Mit Stichproben meine ich Messungen an verschiedenen Stellen im Landkreis.

Wir haben in Erfahrung gebracht, dass Einzelmesswerte an Messstellen mit dem Mittelwert mehrerer Stichproben aus wieder anderen Messstellen einfach gleichgesetzt werden. So könnte eine Einzelmessung beispielsweise total ausschlagen, während der Mittelwert das Messergebnis eher nach unten korrigieren könnte.

Ein einfaches Zahlenbeispiel dazu:

Einfachmessung:

  • Brunnen 1 :     80 mg/l Nitrat –> rotes Gebiet
  • Brunnen 2 :    74 mg/l Nitra  / 42 mg/l Nitrat /  20 mg/l Nitrat

Mittelwert von Brunnen 2 ergibt: 74 mg/l +42 mg/l +20 mg/l = 45,3 mg/l  –>  kein rotes Gebiet

Natürlich könnte die Einzelwertmessung an Brunnen 1 auch unter 50 mg/l Nitrat liegen und somit kein rotes Gebiet ergeben und die Mehrfachmessung an Brunnen 2 mit höheren Messergebnissen aber rotes Gebiet ergeben.

Genau das könnte eine Auslegungsgeschichte sein, wie oft eben wo gemessen wurde. Zumindest ging für mich nicht hervor, wo eine Einzelmessung und wo eine mit dem Mittelwert berechnete Mehrfachmessung durchgeführt wurde.

Ein öffentliches Schreiben von Christoph Skutella (FDP):

Was ich gefunden habe, ist ein öffentliches Schreiben das der Bayerische Landtag unter Christoph Skutella FDP vom 15.11.2019 durch Befragung des Staatsministeriums (der Abteilung für Umwelt und Verbraucherschutz aus wasserwirtschaftlicher Sicht) freigibt:

„Sofern mehr als 20 Prozent der Fläche eines Grundwasserkörpers von einer Überschreitung des Schwellenwertes Nitrat (50 mg/l) betroffen sind, wird der jeweilige Grundwasserkörper in den schlechten chemischen Zustand wegen Nitrat eingestuft. Insofern können auch Grundwasserkörper mit lediglich einer messstellenbezogenen Schwellenwertüberschreitung als schlecht eingestuft werden, obwohl bei anderen Messstellen in demselben Grundwasserkörper eine Unterschreitung der Nachweisgrenze von Nitrat festgestellt wurde.“ Das würde so sein, weil laut Schreiben, „messpunktbezogene und flächen-/wasserkörperbezogene Auswertungen“ herangezogen werden. Angeblich solle die messpunktbezogene Auswertung, um den landwirtschaftlichen Einfluss darzustellen, das „bisherige Belastungsnetz“ durch ein „repräsentatives Messnetz“ ersetzt werden.

Der Link dazu: https://www1.bayern.landtag.de/www/ElanTextAblage_WP18/Drucksachen/Schriftliche%20Anfragen/18_0003928.pdf (17.03.2020)

Reichen 111 Messstellen im Landkreis?

Ob nun allein nur 111 Stichproben für einen einzigen Landkreis mit 780,33 km² Fläche ausreichen, hat der Bayerische Bauernverband angezweifelt.  Mit drei bestimmten Messstellen in unserem Landkreis gibt sich der Bauernverband, in dem auch wir Mitglied sind, nicht zufrieden.

Laut Schreiben ist in unserem Landkreis nur eine Messstelle betroffen, die dauerhaft über den 50 mg/l Nitratgrenezwert gemessen wurde. Dadurch wird  ein Teil unseres Landkreises ins rote Gebiet eingestuft (Erklärung wegen Grundwassereinzugsgebiet etc. s. o und siehe Link).  Rotes Gebiet heißt, verschärfte Maßnahmen in der Düngung. Eine von mehreren Maßnahmen in rot eingestuften Gebieten wird sein, 20 % unter dem allgemein bekannten und in der landwirtschaftlichen Schule, sowie auch im agrarwissenschaftlichem Studium gelernten Düngebedarf der jeweiligen Kulturart düngen zu müssen.

Pflanzenbauliche Sicht zur Düngeverordnung:

Aus pflanzenbaulicher Sicht, heißt dies, dass der Ertrag der Pflanze, also der Ertrag des Erntegutes sinken wird. Vergleichbar ist das mit dem Füttern von Tieren oder auch mit der Nahrungsaufnahme von Menschen oder ich muss da jetzt eben an meine Kinder denken, mit dem Versorgen mit Nahrungsmitteln von Kindern. Auch die zu düngenden Pflanzen befinden sich im Frühjahr zum Düngungszeitpunkt noch in der Entwicklung. Wissenschaftlich spricht man sogar von der Jugendentwicklung der Pflanze. Sie alle – Tiere, Menschen (Kinder) und Pflanzen – haben einen Grundumsatz, den es gilt, täglich mit Kalorien zu versorgen, sowie einen Leistungsumsatz, der zur Energieaufnahme zusätzlich versorgt werden will, um überhaupt Leistung zu erbringen. Wird über längeren Zeitraum Energie in Form von Nahrungsmitteln eingespart, kann die Leistung nicht erbracht werden. Über längere Zeit wird ein erwachsener Mensch / Tier an Gewicht verlieren, ein Kind sogar verhungern. Bei der Pflanze dürfte dies nicht anders sein, zumal Düngung mit Ernährung gleichzustellen ist, wobei bei der Pflanze nicht in Grund und Leistungsumsatz unterschieden wird.

Die Geschichte der Pflanzenzüchtung und warum:

Dies ist eines der Haupt-Bedenken, die der Landwirt mit der Düngeverordnung hat. Zuerst ist nach dem zweiten Weltkrieg, die Agrarproduktion gestiegen, alle waren bemüht, die Lebensmittel in gesunder Vielfalt zu erzeugen, weil die Bevölkerung an Hunger litt. Die Pflanzenzüchtung hat Getreide Ertrags-stark und Widerstandsfähig gegen Krankheiten und Umwelteinflüssen gezüchtet. So hat ein Hektar Weizen Anfang 1900 nicht einmal die Hälfte sondern nur circa ein Viertel des Ertrages Heim gebracht, was ein Hektar heute an Ernte einbringen kann.

Das Einkaufsverhalten heute:

Doch leider schätzt diesen Wert der heimischen Nahrungsmittelproduktion Niemand mehr, weil lieber billig aus dem Ausland eingekauft wird. Solche Produkte findet man bereits in jedem Supermarkt und die Billigversion vor allem bei Aldi & Co. Der Handel drückt die Preise, um globalisierte Produkte mit Heimischen gleichstellen zu können. Dabei würgt er die Preise der deutschen Landwirte. Diese fühlen sich dadurch sowieso schon unfair behandelt. Aber wie soll es nun weitergehen, wenn auch noch die Ernteerträge auf den Äckern, politisch getrieben, sinken? Unser Selbstversorgungsgrad im Land ist eigentlich sehr hoch. Er liegt aber trotzdem nur bei 80 Prozent. Das heißt, im Fall eines Notstandes reicht dies nicht einmal für die ganze Bevölkerung Deutschlands aus. Ich sage da jetzt nur: CORONA VIRUS und Hamsterkäufe in den Supermärkten. (siehe Bild)

Wo will unser deutscher Sicherheitsstaat eigentlich hin?

Indien hat vermutlich eine schlechtere Trinkwasserqualität als wir DEUTSCHEN hier. Auch in  manchen europäischen Ländern  wäre ich mich nicht so sicher. Warum handelt unser deutscher Sicherheitsstaat wieder einmal überbürokratisch? Aktuell, so habe ich das Gefühl schießt er über das Ziel hinaus, wohlgemerkt mit irgendwelchen statistischen Aussagen, die nicht so recht glaubwürdig scheinen, um wohl Landwirte zu gängeln. Vielleicht um diese Berufsgruppe loszuwerden, um noch besser in der Digitalisierung und im Fabriken- und Straßenbau zu werden? Um die Landschaft komplett zu pflastern zu können? Es hat jedenfalls den Anschein, dass die Selbstversorgung nicht mehr gewollt ist. Lieber ist man von China & Co abhängig, um zu protzen, wie toll unsere Umweltauflagen sind! Dabei geht dann nebenbei auch ein Stück unserer geliebten Natur verloren…