Heute erzähle ich euch über die Aufforstung. In meinem 2. Teil: „Unser Brennholz im Jahresverlauf“ habe ich über die Durchforstung im Wald und über heimisch zertifiziertes Holz gesprochen. Heute möchte ich beleuchten, dass es nach einer Entnahme von Holz aus dem Wald auch wieder ein Zurückbringen in den Wald geben muss. Daraus ergeben sich die Fachbegriffe: Aufforstung und Naturverjüngung.

Aufforstung:

Von Aufforstung spricht der Waldbesitzer oder Förster, wenn junge Baum-Pflänzchen an bestimmte Stellen im Wald gesetzt werden. Dabei hängt die Pflanzenzahl von der Verjüngungs-Fläche und von der Baumart ab. Somit muss der Waldbesitzer also erstmal die Fläche festlegen.

Vorbereitungs-Maßnahmen für die Aufforstung:

Die Verjüngungs-Fläche wird vom Förster oder Waldbesitzer vorbereitet. Da die Fläche komplett frei sein muss, wird erst mal aufgeräumt. Es soll auf der Fläche natürlich nicht mehr zu viel Ast-Material herumliegen. Ast-Material stammt von vorher um-geschnittenen Bäumen oder auch von Sturm-Bäumen, die der Sturm umgeschmissen hat. Erst wenn alle Hindernisse für das Wachstum beseitigt sind, wird gepflanzt. Das heißt, das Frei-Schneiden der Fläche von Himbeer- und Brombeer-Sträuchern, sowie von Springkraut, kommt zu den Vorbereitungs-Maßnahmen noch hinzu. Ja das indische Springkraut, das so schön rosafarben blüht, hat in unseren Wäldern eine Nische gefunden. In dieser Nische hat es keinen natürlichen Fress-Feind. Leider stört es unseren heimischen Wald beim Aufwachsen der Jungpflanzen und Keimlinge.

Aufforstung: Welche Pflanzen und wie viele Pflanzen?

Anhand der Bodenarten bestimmt der Forstwirt, welche Baumpflanzen sich denn überhaupt zur Pflanzung eignen. Es wachsen nicht alle Baum-Arten auf allen Böden.  Meistens gibt es als Grundlage für die Auswahl der Baum-Pflanzen eine Boden-Kartierung des jeweiligen Waldstückes.  In dieser Karte liest der Förster oder Waldbesitzer nach, welche Bäume sich für den Standort eignen und welche nicht. Als letztes gilt es zu bestimmen, wie viele Bäumchen gepflanzt werden sollen. Auch das ist nicht ganz einfach. Weil zwischen Pflanz-Zahl im Weitverband pro Hektar und Pflanzzahl im Engverband pro Hektar unterschieden wird.

Weitverband oder Engverband?

Setzt der Förster zu viele Bäume auf einen vorbestimmten Standort, so konkurrieren diese untereinander. Das heißt auch, dass Einige darunter nicht überleben können. Je dichter gepflanzt, desto eher kommen aber mehr Jung-Pflänzchen über die gewisse Wuchshöhe hinaus, die für sie als schwer überlebbar gilt. Viele Stämme auf wenig Fläche und ein hohes Stamm-Alter sind beim Pflanzen im Engverband das Ergebnis. Beim Weitverband entwickelt sich der Baumdurchmesser besser und somit generell das Volumen des Baumes. Aber eben auch die Baum-Krone bildet sich prächtiger aus, weil der ganze Baum weniger um Wasser und Nährstoffe mit den Nachbarbäumen konkurrieren muss.

Damit ihr eine Vorstellung der Pflanzzahlen bekommt, habe ich euch in Tabelle 1 die Pflanzzahlen im Weit- und Eng-Verband pro Hektar einmal aufgelistet:

BaumartPflanzzahl Weitverband pro HektarPflanzzahl Engverband pro Hektar
Eiche700015000
Hainbuche20005000
Ahorn25007000
Esche25007000
Fichte20005000
Tanne25003300
Douglasie20003500
Kiefer300010000
Lärche13002500

Tabelle 1: Pflanzzahl im Weitverband oder im Engverband pro Hektar Fläche (Quelle: Henning, B. (o.Dat) ).

Teilflächen-bezogene Pflanzung:

Üblich ist, nicht im Umkreis eines Hektars zu pflanzen, sondern eher Teilflächen bezogen. Dabei ist immer der gesamte Standort zu betrachten. Der Waldbesitzer möchte auch später noch weitere Bäume nachpflanzen oder hinzupflanzen. Vor allem wenn zu viele gepflanzte Bäume aus verschiedenen Gründen nicht heranwachsen oder sogar absterben. Oder er möchte sich in der Nähe einer größeren Baumgruppe, mit älteren Bäumen, eine Fall-Schneise aussparen. Bei der Durchforstung um-geschnittene Bäume, fallen sonst auf die kleinen frisch angepflanzten Bäume und erdrücken diese.

Verjüngung:

Naturverjüngung bedeutet, dass die älteren Bäume genügend Samen ausbilden. Die Samen werden über Wind, Wasser auch über das Eichhörnchen oder bestimmte Vogelarten im Wald verteilt. Hat ein Samen ein gutes Keim-Bett gefunden, braucht es nur noch Wasser und der Samen kann keimen. Diese Keimlinge entwickeln sich dann zu Pflänzchen und schließlich zu Bäumen. Das hört sich zwar gut an, aber es ist gar nicht so einfach:

Faktoren, wenn es zu keiner Naturverjüngung kommt:

Es gibt Standorte, auf denen die Naturverjüngung fehlt. Zum Beispiel, wenn keine samen-bildenden Bäume in der Nähe sind, weil die Bäume noch zu jung sind. Oder es sind zwar Bäume da, diese aber nicht vital genug, um Samen zu bilden.

Ein weiterer Faktor für fehlende Naturverjüngung ist, wenn das Keim-Bett nicht passt. Es kommt kein Licht auf den Boden oder es fehlt Wasser. Oder aber der Boden ist verdichtet, oder verschlämmt und zu nass.

Auch der Wildverbiss spielt eine gravierende Rolle. Ist zu viel Wild (vor allem Rehe oder auch Rehböcke etc.) vorhanden, stürzt es sich geradezu auf die jungen Keimlinge und zarten Pflänzchen. Vor allem Douglasie, Tanne, und Laubholzarten werden bevorzugt. Fichte kommt in ihrer Auswahl wohl eher zum Schluss, wenn sie nichts anderes finden.

Iniatiative Zukunftswald:

Damit der Wald auch in Zukunft bestehen kann, wollen wir mehr klima-tolerante Baum-Arten  in unseren Wald bringen. Der Klimawandel wirkt sich auch auf die Baumart Fichte weiter aus, sodass die Fichte in Zukunft leiden wird (AELF, o.Dat). Aber nicht nur die Fichte ist betroffen. Die Eichenprozessions-Spinner, die auf  Vormarsch sind, bedrohen die Eichen (BR-Wissen, (22.06.2020)). Auch vom Eschenwald-Sterben wird berichtet (T-online (o. Dat)).

Extreme Wetterbedingungen, wie Stürme (siehe Beitrag: Sturmschäden:Schadet Sabine nur dem Wald), aber auch Trockenheit und Schädlingsbefall sind Faktoren, die unsere Wald-Bestände angreifen. In unserem Sinne ist deshalb, den Wald zukunftsfähig zu machen, indem wir ihn Klimafit machen. Gepflanzt werden dabei  Weißtanne, Douglasien, Rot-Eichen, Stiel-Eichen, Vogelkirsche, Esskastanie etc. Die Palette ist vielfältig. Wichtig dabei ist, dass die Baumverbände zusammenpassen, weil sie beispielsweise unterschiedliche Wuchsdynamiken haben. Außerdem wird darauf geachtet, dass genetisch heimisches und gut vorselektiertes Pflanzmaterial ausgepflanzt wird. Vorselektiert bedeutet in puncto genetisches Material auf bestimmte  Eigenschaften, wie Wuchsdynamik, Wuchshöhe, Beständigkeit oder Trockenheitsresistenz gezüchtet.  Auch auf den Faktor Boden muss bei der Pflanzenauswahl geachtet werden. Ziel ist auch, dass in Zukunft eine Naturverjüngung möglich ist. Bei der Initiative Zukunftswald, handelt es sich um ein ganzes Projekt, dass in Bayern vom Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten 2015 bereits ins Leben gerufen wurde.

Weiterführende Quellen: