Der Asamhof und Sojapionier als Futtermittelbetrieb

Heute stelle ich den Rieder Asamhof vor. Mein Ziel ist es, landwirtschaftliche Betriebe aus dem Landkreis Aichach-Friedberg vorzustellen. Zu beleuchten, was sie heute alles leisten, leisten können und leisten müssen. Und dies in einer herausfordernden Zeit von steigenden Ansprüchen einer Wohlstandsgesellschaft. Einer Gesellschaft, die es gewohnt ist, aus vollen Supermarkt-Regalen ernährt zu werden.  Zugleich soll der Landwirt aber auch dem wachsenden Umweltdruck, und einer hitzigen Klimadiskussion gerecht werden. Er soll noch mehr Tierwohl leisten und an möglichst vielen Umweltprogrammen teilnehmen. Und trotzdem wird er vom Handel in den Preisen gedrückt und seiner Arbeit täglich Brot wird wenig Achtung geschenkt.

Werte des Asamhofes

Der Rieder Asamhof (1701 gegründet) ist ein Mitstreiter für die Werte: Vorbild für Klimaschutz durch kurze Wege, regionale Kreisläufe und Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft. Mit Herzblut und Beharrlichkeit versucht er über Generationen, bis heute nachhaltig, bodenständig und zukunftsfähig zu wirtschaften. So hat er sich, wie andere landwirtschaftliche Betriebe auch, durch Krisen, Kriege und Agrarreformen geschlagen.

Der Asamhof – bekannt als (Soja-) Poinier

Der Hof ist im Landkreis als ein Pionier-Betrieb und mittlerweile als Futtermittelhersteller bekannt. Schon sein Vater, Josef Asam, hatte zahlreiche Ideen zur Diversifizierung eines landwirtschaftlichen Betriebes. Mit Diversifizierungen meine ich verschiedene alternative Einkommenswege. Dazu kommt später auch der Sojaanbau, – regional und überregional.

Denn Sojaanbau, Vermarktung und Nutzung ist gerade in aller Munde!

Meilensteine: Vom Müller bis zum Futtermittelproduzent von bayrisch Soja

Ursprüngliche Mühle und Sägewerk

Die Mühle ist das älteste Gebäude am Asamhof und hatte die Aufgabe, die Bevölkerung mit Mehl zu versorgen. Angetrieben wurden die Mahlsteine der Mühle und die Sägegatter des Sägewerks über die Wasserkraft der Paar. Bis 1965 besaß der Hof die Mühle und das Sägewerk. Doch 1962 wurde die Mühle stillgelegt. Denn sie konnte nicht mehr mit dem technischen Fortschritt und der Konkurrenz mithalten

15 Jahre lang Legehennen Haltung mit Zuchthennen – Soja als Futtermittel entwickelt sich erst später heraus

Da durch einen Schicksalsschlag, die damalige Maria Asam mit vier kleinen Kindern den Betrieb allein weiter wirtschaften musste, baute sie die landwirtschaftlichen Gebäude (Rossstall, Kuhstall, Sägewerk und Mühle) in Legehennen Stallungen um. 15 Jahre lang wurden damals Zuchtlegehennen mit Göckeln für die Produktion von Bruteiern gehalten und an den Großhandel geliefert.

Aus der Legehennenhaltung wird eine Kaninchenhaltung mit Hofläden

Nach Insolvenz eines Eier-Großhändlers wird ein Teil des Stalls in Kaninchenhaltung umgerüstet. Ich selbst lernte den Betrieb vor 15 Jahren als Betriebshelferin kennen, um dort  Kaninchenställe zusammenzubauen. Seit 1998 gab es erste Regiomate, in denen der Betrieb seine Eier direkt am Hof verkaufte. 2005 noch gab es kurzzeitig einen Hofladen. Der dritte Betriebszweig kristallisierte sich in Richtung Futtermittelproduktion heraus.

Die drei Betriebszweige heute

Vor gut 8 Jahren kam ich mit meinen gemeinsamen Hochschulabsolventen der TU-München wieder auf den Betrieb. Damals schon hatte der Betrieb eine Aufbereitungsanlage für Soja.  Inzwischen wurde der Betrieb (2019) an die Söhne Ludwig Asam und Matthias Asam übergeben, die zusammen die Asamhof GbR gegründet haben. Wir bekamen Einblicke in den biologischen Sojaanbau und durften die Aufbereitungsanlage begutachten. Somit besteht der Betrieb heute nun aus drei Teilen: die Asamhof GbR mit der konventionellen Landwirtschaft (Legehennen, Kaninchen und Ackerbau), die Rieder Asamhof GmbH und Co.KG (Regionale Futtermittel mit bayerisch Soja) und die Ludwig Asam Biolandwirtschaft (Mutterkuh-, Mutterschafhaltung, Ackerbau und Bio-Erdbeeren).

Aufbau einer Sojaanbaustrategie

Wo Sojabohnen kaufen: Sojaanbau in der Region

Heute bin ich als Fachberaterin der Deutschen Saatgut für diverse Sojasorten wieder auf dem Betrieb. Sowohl bei mir als auch über den Vertragsanbau des Asamhofes kann der Landwirt Soja- (Bohnen) zum Anbau kaufen. Der Weg bis zum Futtermittelhersteller war lang und steinig. Zuerst mussten die Asams überhaupt Anhänger für den Sojaanbau finden.

Warum Soja nicht angesehen war

Denn der Ertrag von Soja auf dem Feld im Verhältnis zu der Fläche, die Soja doch einnimmt, hat den einen oder anderen Landwirt heute noch nicht überzeugt. Schließlich geht die Fläche auf Kosten von hochwertigem Getreide. Und vergleichsweise ist der Futtermittel-Soja (als Eiweißkomponente im Futter) günstig aus Übersee zu erhalten. Aber die Marktpolitik regelt die Preise. So war nicht einmal das Amt für Landwirtschaft in den Anfängen leicht vom Sojaanbau zu begeistern. Denn Soja war nicht angesehen und ebenso fremdländisch, wie vor 50 Jahren der Mais.

Mit im Steuerboot: Erste Sortenversuche und Gründung der Eiweißinitiative des Sojaanbaus

Nach und nach aber, gab es erste Züchtungsarbeiten im Bereich Sojaanbau an der österreichischen Saatzuchtfirma, der Saatbau Linz. Zeitgleich gab es dann auch bayerische Sortenversuche durch die Landesanstalt.  Es wurde die deutschlandweite Eiweißinitiative geboren.

Ein Regionalprogramm wird geboren

Durch diverse Zusammenarbeit mit Werner Stadlhuber, der den Soja aus Übersee (Kanada) einführte, und anderen Landwirten und Tierhaltern, die sich für den Sojaanbau interessierten und einsetzten, kam es zur Gründung des Regional-Programmes “Unser Land”. Unser Land steht unter anderem für eine GVO-freie Bewirtschaftung.

Die Grundmotivation des Betriebes

GVO-frei.  Ganz im Sinne des Asamhofes, der weg von langen Lieferketten, globalen Handelsstrukturen und eben auch weg von Gentechnik verändertem Übersee-Soja wollte. Denn Soja ist eine starke Kultur in der Fruchtfolge und eine hervorragende Eiweißkomponente im Futtermittel.

Treibender Motor ist wohl auch der Gedanke dem Verbrechen, dass in Übersee passiert, entgegenzuwirken, und zwar als gerecht denkender Landwirt.

Ein bisschen Klimapolitik rund um den Soja

Regenwälder, einer der größten CO₂-Speicher, werden in Brasilien illegal abgeholzt. Dies dient dazu, die Anbauflächen auszuweiten, um der weltweiten Nachfrage nach Futtermittel-Soja, Rindfleisch und Milchprodukten gerecht zu werden. Hauptabnehmer sind unter anderem europäische Länder, auch Deutschland. So kommt es, dass oft heimisch, regional produziertes Essen, in Deutschland hergestellt, in aller Welt vermarktet wird, aber im Gegenzug brasilianisches Rindfleisch in deutschen Supermärkten landet und brasilianischer Soja in deutschen Ställen verfüttert wird.

Voraussetzung für das Gelingen des Sojaanbaus

Voraussetzung für das Gelingen des Sojaanbaus, war die Feststellung, dass der Sojaanbau in Kanada auf demselben Breitengrad bewerkstelligt wurde, wie die bayerischen Flächen von Werner Stadlhuber (der wohl bayerische und kanadische Wurzeln vereint). Somit galt die Lage im Gradnetz auf der Südhalbkugel, als

Ausgangspunkt für den Anbau.

Im Jahr 2021 erreicht der deutsche Sojaanbau mit 34.000 ha seinen historischen Höchststand. Sojaanbau hat sich in den letzten 6 Jahren in Deutschland mehr als verdoppelt.

Weitere Ziele des Betriebes: Die Zukunft des Sojas

Sojaanbau im Bioanbau etablieren

Die nächsten Schritte sieht Ludwig Asam im Soja-Bio-Bereich. Denn ab 1.02.2022 greift die neue EU-Bio-Verordnung und damit müssen Futtermittel aus 100 % biologischer Ware bestehen und nicht wie bisher nur 80 %.  Bisher konnten biologisch haltende Schweinemast und Ferkel-Aufzucht-Betriebe konventionell geführtes Kartoffeleiweiß in der Fütterung einsetzen. Nun gilt es, die 20 % Lücke zum Beispiel mit Bio-Sojakuchen zu füllen. Doch Bio-Sojakuchen ist knapp am Markt. Somit würde es sich auch für Biobetriebe lohnen, selbst Soja anzubauen. Denn es macht Spaß, die eigene Futtergrundlage zu stellen, und vor Ort zu produzieren.

Tofu aus Soja im Hofladen herstellen?

Der Anbau-Trend steigt Deutschlandweit. Nicht nur Futtermittelbetriebe, sondern auch ein zunehmender Ernährungstrend aus “vegan” und “Superfood” steigert auch die Nachfrage nach Tofu-Produkten, die bekanntlich aus Soja hergestellt werden. Wer weiß, Ludwig Asam Junior hat schon eine Andeutung gemacht, vielleicht im eigenen Hofladen demnächst Tofu anzubieten.

Auf die Frage hin: Wo Sojabohnen kaufen, gibt es also mehrere Antworten:

Direkt über den Vertragsanbau auf dem Asamhof, indirekt über mich als Fachberaterin der Deutschen Saatgut. Soja in verarbeiteter Form (Vollfett-Soja, Futtermittel in Säcken oder als Sojakuchen) für  Legehennen sowohl in Hobby-Hühnerhaltung, als auch als Futtermittel für Eier- Rinder- oder Milch- Betriebe. Oder bald schon als Tofu und Eiweiß Ersatz im Hofladen des Asamhofes.