Eier, Fleisch und Küken? Keine Rasse kann alles!

Das Bankivahuhn ist der Urahn unserer Haushühner. Es ist klein, legt wenige Eier, kann gut über Hindernisse fliegen, schläft in den Bäumen und ist mit seinen Instinkten sehr gut geschützt. Bankivahühner sind an ihre Umgebung perfekt angepasst. Heutige Haushühner sind ebenfalls perfekt angepasst – sie entsprechen jedoch den Wünschen ihrer Züchter. Diese wollen häufig eine sehr gute Legeleistung.

Sollen Hennen viele Eier legen, dürfen sie nicht in Brutstimmung kommen. Setzen sie viel Gewicht an, ist die Futterverwertung auf das gelegte Eigewicht schlechter. Können die Haushühner gut fliegen, ist die Einzäunung deutlich teurer. Wer in einer Region mit vielen Beutegreifern lebt, muss zudem viel Deckung anbieten oder auf eine Hühnerrasse mit ausgeprägten Instinkten achten. Diese sind häufig etwas scheuer und eignen sich weniger gut als Familienhühner. Die Wahl der richtigen Hühnerrasse ist also nicht ganz einfach, bleibt für den eigenen Erfolg aber ausschlaggebend. Hier folgen einige Empfehlungen.

Westfälische Totleger – Eier bis ins hohe Alter

Der Name dieser Sprenkelhühner leitet sich von „Dauerleger“ ab und geht auf das Plattdeutsche zurück. Diese robusten und lebendigen Hühner legen nicht allein 200 Eier im Jahr, sie legen auch noch bis ins Alter hinein. Die meisten anderen Hühnerrassen und vor allem Hybridhühner lassen im zweiten, spätestens im dritten Jahr deutlich nach. Leider fliegen Westfälische Totleger gut und wollen einen großen Auslauf. Sie eignen sich damit eher für den Freilauf und entkommen auch den meisten Feinden. Die Hähne eignen sich als gute Fleischlieferanten. Westfälische Totleger werden durchaus zahm, gelten aber nicht als Familienhühner oder Anfängerfreundlich.

Sundheimer

Sundheimer – fleißige Winterleger

Wer im Winter Eier wünscht und keinen hohen Zaun bezahlen will, freut sich über Sundheimer. Diese Hühner legen fleißig, fliegen kaum und brauchen nicht viel Auslauf. Die als friedlich geltenden Hähne werden bis über 3 kg schwer. Ein Manko wären auf nassen Wiesen die Federfüße. Der Auslauf soll also kurzen Rasen haben und nach einem Regenschauer schnell abtrocknen. Sundheimer eignen sich außerdem für Familien oder für den Streichelzoo.

Leghorn – die perfekte Legerasse

In modernen Legehybriden, die weiße Eier legen, werden immer Leghorn einfließen. Diese Hühnerrasse ist der Klassiker unter den Legerassen: Viele schwere Eier auf ein geringes Körpergewicht  bedeuten eine sehr gute Futterverwertung. Leider handelt es sich um gute Flieger, ein Hühnernetz mit 1,4 Metern wäre zu knapp. Außerdem sind Leghorn keine Familienhühner und sind bei Frost an Kamm und Kehllappen empfindlich.

Marans – keine Salmonellen

Die französische Hühnerrasse Maran ist eine Besonderheit: Die Eischalen reichen von braun bis tiefbraun und sind häufig gesprenkelt. Sie sind aber immer sehr dick und gelten damit als salmonellensicher. Diese schweren Eier können deutlich länger gelagert werden, das gilt auch für Bruteier. Die schweren und pflegeleichten Hühner liefern also trotz der Legepause bis weit in den Winter hinein genießbare Eier. Leider fliegen sie gut und beginnen schnell mit der Brut, wodurch die Legeleistung leidet. Sie gelten als anfängerfreundlich und friedlich.

Maran
Lachshuhn

Deutsche Lachshühner – perfekte Masthühner

Zu den Fleischrassen zählen Deutsche Laschshühner, die eine entscheidende Besonderheit mitbringen: Sie lassen sich sehr leicht rupfen. Deutsche Lachshühner legen durchaus einige Eier und das sogar im Winter. Die schweren Hühner gelten dennoch als Fleischhühner, da sie wegen des Gewichts für die Eiproduktion zu viel Futter verbrauchen. Deutsche Lachshühner sind friedlich, eignen sich als Familienhühner, haben allerdings Federfüße und Bärte. Die Haltungsbedingungen müssen dementsprechend mit kurzem Rasen und speziellen Tränken angepasst werden. Dennoch gilt diese Hühnerrasse als Anfängerfreundlich.

Altsteirer Hühner – flugfähige Weidehühner

Das Steirer Huhn wurde einst in zwei Linien weitergezüchtet – Sulmtaler sind die schwere Linie. Die leichtere Linie ist dem Steirer Huhn ähnlicher und wird deswegen Altsteirer genannt. Es handelt sich um flugfähige Weidehühner, die ihren Freilauf brauchen. Dann suchen sie auch einen guten Teil vom Futter selber. Diese beiden Hühnerrassen tragen den Titel „Kaiserhuhn“, da sie bei Hof Dauergast waren. Sie liefern neben ihren schweren Eiern also auch einen sehr schmackhaften Braten. Wer die Fläche hat und nicht zu viele Beutegreifer drohen, kann seine Altsteirer Hühner frei laufen lassen. Eventuell kommt sogar eine der Hennen in Brutstimmung.

Altsteirer
Seidenhuhn

Seidenhühner – perfekte Leihglucken

Die leichten Seidenhühner haben ein zerschlissenes Federkleid, welches wie Seidenfäden wirkt. Mit diesem Gefieder können Seidenhühner nicht fliegen. Sie legen nur wenige leichte Eier, das auch im Winter. Seidenhühner beginnen umgehend mit der Brut. Viele Hühnerzüchter halten einige Seidenhühner und schieben diesen Bruteier ihrer anderen Rassen unter. Seidenhühner sind außerdem perfekte Familienhühner und anfängerfreundlich. Sie haben allerdings Federfüße.

Araucana – grüne Eier vom schwanzlosen Huhn

Die Araucana sind eine beliebte Hühnerrasse, welche grüne Eier legt und keine Schwanzfedern ausbildet. Diese leichten Hühner gelten als friedlich und zutraulich. Sie brauchen nicht viel Platz, werden nur gelegentlich brütig und können nicht hoch fliegen. Dennoch suchen sie Löcher im Zaun oder überwinden 1,5 Meter Höhe. Araucana eignen sich damit als Familienhuhn mit überschaubaren Futterkosten. Die Halter müssen die Fütterung jedoch auf Barthühner anpassen und breiiges Futter vermeiden.

Hühnerrassen kombinieren

Es gibt viele weitere Hühnerrassen, die alle ihre speziellen Eigenschaften mitbringen. Keine dieser Hühnerrassen kann alles, doch viele lassen sich untereinander vergesellschaften. Es können also einige Leghorn und Sundheimer gehalten werden, um viele Eier und im Winter einige Eier zu haben. Wichtig bleibt, dass nur verträgliche Hühner in einer Herde gehalten werden. Schwere und ruhige Hühner mischen sich nicht gut mit leichten und flinken Rassen. Auch in der gleichen Gewichtsklasse kann eine Hühnerrasse für die andere zu dominant sein. Auf einer großen Fläche würden die Hühner automatisch getrennte Herden bilden und freuen sich dann auch über getrennte Hühnerställe. Wer die Fläche nicht hat, kann sie immer noch unterteilen. Wird der Platz knapp, eignen sich die Zwergformen der Großrassen, die aber meist flugfähiger und lebendiger sind.

Wer einmal seine Hühnerrassen gefunden hat, wird in der Hühnerhaltung erfolgreicher sein und hat dadurch mehr Freude am Hobby.

Ein Danke an Robert  Brungert!