Die Aufgabe des Mais-Häckslers beim Silieren

Die ganze Woche bemerke ich schon das Silier-Fieber. Gefühlt alle Landwirte im Umkreis, fahren seit ein paar Tagen Parade. Parade mit Schlepper, Anhänger oder sogar mit LKW. Riesen Gefährte, die am Mais-Feld beim Mais-Häcksler Schlange stehen. Bei uns ist für Morgen Silieren angesagt. Was genau ist Silieren? Von Silieren ist die Rede, wenn der Mais im Herbst (meist September) reif ist und der Mais-Häcksler kommen soll, um die ganze Mais-Pflanze in kleine Stückchen zu häckseln. Die Aufgabe des Mais-Häckslers ist also erst mal Häckseln.

Mais-Häcksler

Mais-Häcksler wirft Mais-Häcksel auf den Ladewagen

Die Transport-Logistik beim Silieren

Klar der große Mais-Häcksler mit 9 Meter Arbeitsbreite bringt in kürzester Zeit eine Masse an Häcksel-Gut daher. Bei der Arbeitsbreite spreche ich vom Mais-Gebiss, das dann 12 Mais-Reihen auf einer Fahrt aberntet. Da müssen dann die Fahrer schon gut organisiert sein und im Minuten-Tackt auf dem Feld erscheinen.  Unser Mais-Häcksler ist etwas kleiner, wie auch auf dem Bild erkennbar ist. Trotzdem müssen auch bei uns mehrere Fahrer mit ihren Gespannen (Traktor und Anhänger) Manöver fahren.

Sobald der Mais-Häcksler das Erntegut zerkleinert hat, kann er es über das Auswurfrohr  befördern. Deshalb fährt immer ein Traktor mit Anhänger neben dem Häcksler her, um den Auswurf im Hänger aufzufangen. Das Auffangen des Häcksel-Gutes ist gar nicht immer so leicht. Dabei kann schon mal passieren, das ein Teil neben dem Anhänger landet. Das sollte natürlich nicht passieren, da es sich um wertvolles Erntegut handelt. Bevor noch der erste Anhänger voll beladen ist, fährt der nächste Traktor, der schon am Feld wartet, mit seinem Anhänger dem ersten hinterher, um sofort den nächsten Hänger wieder beladen zu können.

Logistik-Kette beim Silieren

Die Anhänger stehen Schlange, um sofort einsatzbereit zu sein, wenn der Häcksler die Mais-Häcksel auswirft.

Das Festfahren beim Silieren

Der jeweils volle Anhänger wird im Silo entleert. Das dort abgeladene Erntegut muss sofort von einem weiteren Traktor festgefahren werden. Festfahren heißt luftdicht abschließen. Das passiert durch das Gewicht, das der Traktor oder manchmal auch Radlader auf die gehäckselten Mais-Schnitzel ausübt. Durch den Luft – Abschluss, kommt es zu einer anaeroben Gärung, der Milchsäure-Gärung.

Diese kann erst eintreten, wenn der gesamte Rest-Sauerstoff von den aeroben Bakterien (Bakterien, die mit Hilfe von Sauerstoff arbeiten)  aufgebraucht ist. Damit der an den Sauerstoff gebundene Stoffabbau zum Stillstand kommen kann, muss der Traktor gut und zügig festfahren. Das tut er bis der letzte Anhänger vom Feld ins Silo heim kommt.

Das Zudecken der Silage:

Sobald das Festfahren beendet und der gehäckselte Mais-Haufen luftdicht abgeschlossen ist, muss sofort zugedeckt werden. Das Zudecken erfolgt mit sogenannten Silo-Folien. Das sind große Planen. Solche, die man vom Bedecken der Hollywood-Schauckel oder Gartenmöbel kennt, nur noch größer. Diese Planen, meist sind es sogar mehrere Schichten ( 2-3) werden dann mit Sandsäcken oder sonstigen Materialien beschwert. Wichtig ist, dass eben nirgendwo ein Luft-Loch entstehen kann. Denn…

Das Zudecken beim Silieren

Der silierte Mais-Haufen wird mit Silo-Folie zugedeckt. Da werden alle Hände gebraucht,.

Was ist silieren? Warum silieren?

Die Milchsäuregärung selbst setzt für gewöhnlich erst einige Stunden nach dem Luftabschluss ein und wird von den anaeroben Bakterien (den Bakterien, die ohne Sauerstoff arbeiten) vorgenommen. Die Milchsäuregärung macht durch Absenken des Ph-Wertes des Häcksel-Gutes, die eingefahrene Mais-Silage haltbar. Der Gärungsprozess selbst kann bis zu 6 Wochen dauern. Der Vorgang der Milchsäuregärung ist auch vom Brot-Backen oder Sauerkraut Einmachen bekannt.

Die Hefen arbeiten unter Luftabschluss. Um den Silier-Prozess zu optimieren, kann der Landwirt dem geernteten und gehäckseltem Mais, Silier-Hilfen zusetzten. Das sind spezielle Bakterienkulturen, die den Vorgang der Milchsäuregärung beschleunigen und optimieren. Dies ist insofern wichtig, da es durch verschiedene Fehler  oft zu Fehlgärungen kommen kann. Fehlgärung heißt, dass nicht erwünschte Bakterienstämme die Milchsäuregärung beinahe wieder umkehren. Dabei entstehen nicht gewünschte Nebenprodukte wie Essigsäure. Außerdem erhöht sich der pH-Wert wieder und die Silage wird instabil. Essigsäure ist im Tierfutter nicht gewünscht. Sie ist auch ein Zeichen von niedrigerem Energiegehalt in der Futter-Silage oder eben in der Silage für eine Biogasanlage.

Typische Fehler sind:

zu spätes Festfahren; nicht gut genug Festfahren; nicht gut genug abgedichtet; oder aber: irgendwie ist Luft ins Silo gekommen…

Warum wird siliert? Bei uns wird die Silage das ganze Jahr an unsere Bullen im Stall verfüttert. Bei den Biogas-Landwirten wird Mais-Silage auch an die Bakterien in Biogas-Anlagen verfüttert. Silage kann auch an Schweinen verfüttert werden. Dann wird ein sogenannter Corn-Cob-Mix erstellt. Auch das ist einsilierter Mais, aber hergestellt aus den Spindeln und den Körnern der Mais-Pflanze. Bei unserer Silage wird die ganze Mais-Pflanze gehäckselt.

Einen Hinweis möchte ich noch geben:

Wenn ihr das nächste  Mal mit eurem Auto einem  Anhänger und Traktor hinterherfahrt, dann denkt daran:

Vor euch fährt ein geerntetes Substrat.  In einen Anhänger ist so viel Energie gefüllt, dass ein ganzes Jahr ein bis zwei Einfamilienhäuser mit Strom damit versorgt werden können. Gerechnet habe ich dabei den Energiewert der Mais-Silage aus einer Anhänger-Ladung. Wenn diese  in eine Biogasanlage gefüllt wird und daraus Strom erzeugt wird, dann reicht das schon mal für ca 2500 KW Strom. Das ist so der Durchschnittliche Wert an Stromverbrauch pro Familie.

Natürlich kommt es bei dieser Rechnung auf die Anhänger-Größe drauf an. Ich muss dazu sagen, mit unseren Kippern erreichen wir den Wert nicht ganz. Aber die großen Lade-Wägen, die auf den Straßen fahren, erreichen diese Werte schon.