Knollen,Wurzeln und Rhizome? Was jetzt?

Knollen und Wurzeln im Winter sind sozusagen wiederverwertbar. Das ist nicht ganz richtig, denn wenn sie mal gegessen sind, naja … Es ist Vorweihnachtszeit. Und wie soll es anders sein? Ich backe mit meinen 4 Kids Plätzchen und Lebkuchen. Und wenn es uns mit Süßem reicht, dann gibt es mittags etwas Deftiges. Sprich Sauerkraut mit Suppenfleisch oder Kartoffelgerichte und Kürbissuppe. Jedenfalls lagert ein Teil Knollen gerade in meiner Küche. Aber nicht nur Knollen auch Wurzeln verwende ich immer wieder mal in meiner Küche.

Ja im Winter ein Gemüse-Vorrat? Kartoffel, Kürbis und Äpfel hole ich regelmäßig aus dem dunklen, kühlen Keller. Aber auch Zwiebel und Knoblauch habe ich auf Vorrat. Neulich ist mir dann beim Backen aufgefallen, als ich nämlich Kartoffel-Lebkuchen und Ingwer-Plätzchen-Teig formte: lauter Knollen. Eigentlich sind Knollen echt dankbar.

Du willst wissen warum?

Nachhaltigkeit-Tipp Nr. 1: Kartoffel-Knollen vermehren

Lass ein paar Kartoffeln bis Ende März im Keller und hole sie dann raus. Auch wenn sie runzelig sind, schmeiße sie nicht weg! Denn sie werden keimen und dann kannst du sie in die Erde pflanzen. Aber lagere die Kartoffelknollen dunkel, wenn du sie noch essen möchtest. Denn zum Treiben brauchen sie Licht. Es ist also ganz einfach: Decke die Kartoffel ab und stelle sie ans Licht, wenn du willst, dass sie austreiben. Und noch ein Tipp, den viele nicht wissen: Du kannst die Kartoffel in Stücke schneiden, um sie zu vermehren. Achte dabei darauf, dass auf jedem Stück ein Auge vorhanden ist (siehe Bild). Denn wenn du leckere Saatkartoffeln hast, aber zu wenig davon, ist das eine wunderbare Methode im nächsten Jahr auch wieder von dem nahrhaften, gesunden Gemüse zu profitieren. Grabe die ausgetriebene Kartoffel dann wieder tief unter die Erde. Beachte dabei, dass die frisch gekeimten Knollen weit in der Erde sitzen. Am besten ist es, wenn du die Erde zu einem Damm an häufelst. Folglich bekommst du dann ab Spätsommer und Herbst neue Kartoffeln. Warum, weil aus einer Knolle wieder viele Knollen entstehen.

Kartoffel vermehren

Nachhaltigkeit-Tipp Nr. 2 : Vermehre deine Ingwer-Rhizome für nächstes Jahr!

Schneide Ingwer Knollen bzw. Rhizome, die du zum Weihnachtsfeste nicht mehr brauchst, in Stücke. Achte darauf, dass jedes Stück noch ein Auge hat. Das heißt, eine Triebstelle. Lege dann die Stückchen mit dem Auge nach unten in Wasser. Nimm einen alten Teller oder einen Untersetzer dafür. Denn so können aus der Triebstelle Wurzeln wachsen. Sobald der Ingwer treibt, setze ihn in einen Topf mit Erde. Ein bisschen Licht braucht der grüne Trieb schon. Also nicht ganz mit Erde bedecken. Durch hohe Luftfeuchtigkeit kannst du das Antreiben beschleunigen. Zum Beispiel, indem du eine Plastikfolie über den Topf stülpst. Allerdings solltest du regelmäßig gießen und mindestens einmal pro Tag lüften. Das heißt folglich einmal pro Tag die Plastikhaube abnehmen. In ca. 3,5 Wochen entspringen hohe Stängel mit Schilf-artigen Blättern. Es dauert noch fast bis nächstes Weihnachten (bzw. Herbst) bis du die dicklichen Rhizome dann wieder voll entwickelt aus der Erde holen kannst!

Nachhaltigkeit-Tipp Nr. 3: Mache aus einem Knoblauch viele

Zu den tollen Knollen und Wurzeln, die antibakteriell wirkt und dazu sehr gesund ist, zähle ich auch den Knoblauch: Normalerweise würdest du Knoblauch entweder im März/ April oder aber im September/Oktober vornehmen. Wenn du aber auch im Winter experimentieren möchtest, dann stecke einzelne Knoblauchzehen in einen Pflanztopf. Bedenke größere Zehen bringen auch den größeren Knoblauch hervor. Warum erkläre ich weiter unten im Artikel! Entferne dann die äußere Hautschicht, die meist trocken ist. Stecke dann die Zehen ca. 5 – 6 cm tief in die Erde, mit der Spitze nach oben.

Knoblauchzehen stecken

Nachhaltigkeit-Tipp Nr. 4: Wenn die Zwiebel schießt

Vielleicht kennst du es? Deine Zwiebeln lagern in der Küche, damit du schneller kochen kannst … und plötzlich treiben sie aus! Hui, warum eigentlich? Na, weil die Umgebungstemperaturen in der Küche optimal sind und zudem vielleicht auch noch hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Beste Bedingungen, die eigentlich im Frühjahr im Boden herrschen sollten. Eigentlich muss ich sagen, ist die Küche ja kein optimaler Lagerort für die Zwiebel. Aber wenn es passiert … dann ist diese Zwiebel nichts anderes als eine etwas zu groß geratene Steckzwiebel! Eigentlich gewinnt man die Steckzwiebel über die Zwiebelsamen. Und außerdem hat die ausgetriebene Zwiebel nun ganz schön Energie aufgewendet. Deshalb ist diese Methode (ähnlich wie bei den Kartoffeln) nicht direkt die Richtige, um Küchenzwiebel zu vermehren!

Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder du verwendest sie zum Kochen und nutzt den Trieb quasi als Lauch-Ersatz (Der Trieb ist nicht giftig, dennoch sollte die Zwiebel halt nicht schimmelig oder von Pilzen befallen sein, was nach der Keimung leichter passieren kann). Die andere Möglichkeit: Pflanze die ausgetriebene Zwiebel in einen Topf mit Erde. Die Erde sollte recht locker um die Zwiebel liegen und der Trieb soll bereits aus der Erde schauen. Ziel sollte eine größere Zwiebel sein!

Zwiebel

Was grünt denn nun zu Weihnachten, außer dass ich Knollen stecke und warten soll?

Wenn du außer Knollen und Wurzeln vermehren noch etwas im Winter säen möchtest, dann empfehle ich dir Kresse und Sprossen zu säen!

Das ist sehr einfach. Ich habe sogar neulich einfach nur ein Teller hervorgeholt, Küchenpapierrolle feucht gemacht, auf das Teller gelegt und Kresse gestreut. Täglich gießen nicht vergessen! Und schon hast du in wenigen Tagen Kresse oder Sprossen.

Saatkalender mit Post

Saatkalender mit Post:

Du willst wissen, wann du was in welchem Monat säen oder pflanzen musst, um eine ertragreiche Ernte zu bekommen?

Hier gelangst du zu meinem saisonalen Ansaat- und Pflanzkalender für den Balkon und Garten, in dem ich dir viele Tipps und monatliche Saat- und Pflanzlisten an die Hand gebe. Außerdem erhältst du von mir monatliche Push-up Nachrichten, damit das mit deinem Gemüse-Beet säen und pflanzen auch wirklich was wird!

Nachhaltigkeit-Tipp Nr. 5: Setze Meerrettich – Wurzeln in deinen Garten – aber sei vorsichtig!

Wenn du ein Gemüse suchst, dass das ganze Jahr über im Garten bleibt, sich selbst vermehrt und einfach nachhaltig ist, dann pflanze Meerrettich (aber bitte nicht jetzt im Winter!). Bei Meerrettich verhält es sich so, wenn du ihn erntest, also mit der Grabgabel oder dem Spaten aus der Erde stichst, dann darfst du ihn ruhig zerteilen und wieder einpflanzen. Wichtig ist, dass ein Teil des Kopfstückes dran bleibt und ca. 5 cm unter der Erde ist. Somit ist die Wurzel selbst ca. 15 cm tief in der Erde, das Kopfteil nur 5 cm tief. Dann treibt Meerrettich im nächsten Jahr wieder aus. Denn er wird über Seitenwurzeln, den Fechsern vermehrt.

Nachhaltigkeit-Tipp Nr. 6: Säe Topinambur aus – aber ernte regelmäßig!

Natürlich kannst du Topinambur auch als Kübelpflanze auf dem Balkon halten. Sie blüht wunderschön gelb, fast wie eine kleine Sonnenblume. Topinambur entwickelt unterirdisch Knollen, wie eine Kartoffel. Es ist wichtig Topinambur im Herbst zu ernten und nur eine Knolle im Boden zu belassen. Sonst vermehrt sich diese Pflanze so stark, dass sie sämtliche anderen Pflanzen zurückdrängt! Auch hier gilt, der Winter ist kein guter Saat-Zeitpunkt!

Übrigens auch ein Nachhaltigkeit-Tipp: Barbara-Zweige noch schneiden?

Stopp! Es handelt sich hierbei nicht mehr um Knollen, Wurzeln und Rhizome! Aber es ist ein Thema, das gut in die Vorweihnachtszeit passt und ebenso nachhaltig ist:

Dieses Jahr hat es bei uns schon Minusgrade und Schnee gehabt. Weit vor Weihnachten, nämlich am Barbaras-Tag. Das ist der 4. Dezember, wenn bei uns oben in der Kapelle, die der hl. Barbara geweiht ist, Barbara gefeiert wird. Heuer, ging das wegen Corona nicht. Dennoch ist der Brauch einen Kirschzweig an diesem Tag zu schneiden und in eine Vase mit Wasser zu stellen. Dieser soll nämlich an Hl. Abend aufblühen.

Es verhält sich so, dass einige Zweige besser zum Blühen geeignet sind als andere. So zum Beispiel die gelb blühenden Forsythien, der weiß blühende Schneeball, Kirschbaumzweige oder Zweige des Zwetschgenbaumes. Dagegen eher schwerlich zu blühen beginnt der Apfelbaum-Zweig oder Flieder.

Außerdem muss ein Kältereiz, die Blüten dazu bringen überhaupt zu erblühen. Hat es also vor Hl. Barbara keine Minusgrade gehabt, dann schneide die Zweige und lege sie kurz in die Tiefkühltruhe!

Barbara-Zweige aus dem Garten holen

Hier noch ein paar Basics:

Der Unterschied zwischen Zwiebel und Knolle:

Bei der Zwiebel sind die Hüllblätter die Speicherorgane, die den Pflanzentrieb schützen sollen. (Küchenzwiebel, aber auch Tulpe, Narzisse)

Bei der Kartoffel handelt es sich um eine Spross-Knolle. Sie besitzt ein unterirdisches Speicherorgan. Der Kohlrabi hingegen ein oberirdisches! Außer der Kartoffel zählen auch Krokus, Gladiole oder die Herbstzeitlose zu den Spross-Knollen.

Ingwer ist aber nicht direkt eine Knolle, sondern ein Rhizom. Das sind verdickte Erdsprosse, also wieder mal Speicherorgane. Denn durch diese ist das Rhizom dann in der Lage viele Triebe hervorzubringen. (Auch Maiglöckchen, Schwert-Lilien, Canna haben Rhizome).

Und bei den Wurzelknollen handelt es sich um die verdickten Seitenwurzeln. Knollensellerie, Karotten, aber auch Dahlien gehören dazu.

Knollen und Wurzeln

In der Knolle steckt die Kraft:

Tja du kannst es glauben oder nicht: In der Knolle steckt die ganze Kraft. Die Triebkraft. Denn in dieser sind die Vorräte Stärke, Mineralstoffe gespeichert. Mit den ersten Sonnenstrahlen taucht plötzlich Leben auf. Nach dem letzten Schnee entspringt so ein buntes Blütenmeer. Vorausgesetzt, die Knollen sind gesteckt!

Doch es gibt auch diejenigen Knollen, die im Frost nicht überleben. Diese holst du dir am besten in den Keller oder Dachboden? Zumindest einen frostfreien Raum!

Aber auch die Wurzeln haben Kraft, eine sogenannte Schwerkraft, den Gravitropismus.

Ingwer ist auch eine tolle Knolle

Die dankbaren Knollen und Wurzeln:

Wie gesagt, die Knollen und Wurzeln sind sehr dankbar, weil du sie immer wieder vermehren kannst und die ganze Kraft in ihnen gespeichert ist, die sie zum Weiterleben brauchen. Aber nicht nur das, sondern auch für die menschliche Ernährung (natürlich meine ich die essbaren unter ihnen) sind die Knollen und Wurzeln sehr gesund. Sie beinhalten nämlich Mineralstoffe und Kohlenhydrate, oftmals auch sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe wie Flavonoide. Diese sind beispielsweise in der Lage vor Bakterien und Pilzen zu schützen, wie das, das Allicin im Knoblauch tut.

 

Knollen und Wurzeln